Start Der Pessimist Pokémon Go: Warum kostenlos nicht immer besser ist

Pokémon Go: Warum kostenlos nicht immer besser ist

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Pokémon Go: Warum kostenlos nicht immer besser ist
Bild: Pawel Kuczynski // Mehr Grafiken unter: www.pawelkuczynski.com

Mit “Pokémon Go” hat eine der erfolgreichsten Spieleserien den Weg auf die Straße geschafft. Die völlig kostenlose App soll die kleinen Monster in die Zukunft des Gamings führen. Das kann gelingen – wenn es die Macher schaffen, vergangene Fehler des “Freemium-Gamings” nicht zu wiederholen und die Serie zu verramschen.

Wollen Computerspieler Qualität? Alleine das Stellen einer solchen Frage wäre noch vor zwanzig Jahren eher absurd gewesen. Selbstverständlich sollte damals ein Spiel weitgehend ruckelfrei, ohne Werbung und ohne ständige Unterbrechungen laufen. Schließlich hat man damals noch Geld bezahlt. Viel Geld. Für einen Kaufpreis von 50 Euro aufwärts erwarteten Spieler nicht weniger als kleine Blockbuster zum selbst Erleben. Gaming war in der alten Welt noch die Domäne einer eher kleinen Community. Diese qualifizierte sich mit hohen Eingangsinvestitionen (etwa dem Kauf einer teuren Konsole) dafür, den Zweiten Weltkrieg zu entscheiden, Schätze zu bergen, eine der nächsten Zombieapokalypsen zu überleben, oder mit dem SV Wacker Burghausen die Champions League zu gewinnen. Spieleentwickler kannten ihre Zielgruppe und wussten um deren Kaufbereitschaft – wenn nur die Qualität stimmte.

Diese stille Übereinkunft existiert heute nicht mehr, dem mobilen Internet sei dank. Mit dem für jeden Menschen obligatorischen Besitz eines Smartphones kann heute jeder zum Gamer werden. Das hat Folgen, auch für die Anbieter: Hersteller von Mobile-Games zielen heute mit der Gießkanne auf ihre Zielgruppe und stellen die meisten ihrer Spiele kostenlos zur Verfügung. Der Vorteil für die Entwickler: Wer nichts bezahlt, erwartet weniger. Da darf es schon auch mal eine Beta-Version sein, die ab und zu mal abstürzt, schließlich sorgen die regelmäßigen Updates ja für konstante Verbesserung.

Auch Umsatz lässt sich mit kostenlosen Spielen vortrefflich erzielen: Das funktioniert einerseits durch die im Spiel platzierte Werbung, die sich hin und wieder als statisches oder bewegtes Bild auf das kleine Display schleicht und dem Spieler die Trauer über seinen letzten virtuellen Tod mit individuellen Produktinformationen versüßt, zum anderen aber auch über sogenannte “In-Game-Käufe”, die vor allem in Rollen- oder Strategiespielen beliebt sind, weil sie dem Nutzer im Austausch gegen ein paar Euro helfen, seine Charaktere und Armeen etwas schneller hochzuleveln, als es seine Gegner ohne Einsatz von Geld schaffen würden. Harte Währung schafft Vorteile im Spiel. Das Zauberwort dabei lautet: Freemium, eine Zusammensetzung aus “Free” und “Premium”.

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Florian Stocker
Florian Stocker, geboren 1986 in München, begleitet die Digitale Transformation seit Jahren aus verschiedenen Blickwinkeln. Als studierter Politikwissenschaftler landete er zunächst als Vertriebsingenieur in der Online-Marketing-Branche. Nach diesem zweijährigen Intermezzo und der Einsicht, dass die Beobachterrolle auch recht reizvoll sein kann, entschied er sich zwei Jahre später für den Journalistenberuf und arbeitet seitdem als freier Redakteur für verschiedene Fachmagazine, unter anderem für den altehrwürdigen “MM MaschinenMarkt”. <br /> <br /> <strong>Themen:</strong> Big Data, Arbeitswelt, Digital Economics, Netzpolitik und – ohne Witz – Pumpen, Armaturen und Rohrleitungen.